DC-Schnellladen — CCS, CHAdeMO oder Tesla Supercharger erklärt
Drei Standards, drei Steckertypen, viel Verwirrung. Wir erklären den Unterschied zwischen CCS2, CHAdeMO und Tesla NACS — was zu welchem Auto passt und was das für Sie in Bulgarien bedeutet.
Wenn Sie an einer DC-Ladesäule stehen, sehen Sie vielleicht 2–3 verschiedene Steckertypen. Welcher passt zu Ihrem Auto? Warum gibt es so viele Standards? Und was passiert mit ihnen in Zukunft? Hier ist die vollständige Erklärung.
Die drei wichtigsten DC-Standards
CCS2 (Combined Charging System, Combo 2)
CCS2 ist der De-facto-Standard in Europa und seit 2025 für alle neuen, in der EU verkauften E-Autos verpflichtend. Der Stecker kombiniert AC-Laden (Typ 2) und DC-Laden in einem einzigen Steckertyp — daher "Combined".
Welche Autos: die VW-ID-Baureihe, BMW iX, Hyundai IONIQ 6, Kia EV6, Renault Megane E-Tech, MG4, alle BYD-Modelle, Audi Q4 e-tron und praktisch jedes neue E-Auto für den EU-Markt.
Geschwindigkeit: von 50 kW bis über 350 kW an den neuesten HPC-Stationen (High Power Charging).
In Bulgarien: CCS2 ist an allen modernen öffentlichen Ladestationen verfügbar — Eldrive, OMV Electra, Pulse.
CHAdeMO
CHAdeMO ist ein japanischer Standard, entwickelt von Toyota, Nissan und Mitsubishi. Er war bis 2018–2019 der vorherrschende Standard in Europa, bevor ihn CCS2 verdrängte.
Welche Autos: der Nissan Leaf (ältere Modelle), der Mitsubishi Outlander PHEV (nur ältere Versionen), der Kia Soul EV der 1. Generation.
Wichtig: Seit 2023 ist Nissan bei neuen Modellen offiziell auf CCS2 umgestiegen. CHAdeMO wird schrittweise abgeschafft — in Europa werden keine neuen CHAdeMO-Stationen mehr installiert.
In Bulgarien: Wenn Sie einen Nissan Leaf mit CHAdeMO besitzen, ist die Verfügbarkeit begrenzt und rückläufig. Viele Betreiber unterstützen CHAdeMO-Stecker bei Modernisierungen nicht mehr.
Empfehlung: Prüfen Sie beim Kauf eines gebrauchten Nissan Leaf, ob er über CHAdeMO oder CCS2 verfügt. Neuere Leaf-Modelle haben CCS2.
Tesla Supercharger (NACS)
Tesla hat einen eigenen Steckertyp entwickelt — NACS (North American Charging Standard). In Europa nutzt Tesla für die Supercharger-Stationen traditionell CCS2 (nicht NACS), sodass europäische Tesla-Fahrzeuge CCS2-kompatibel sind.
Welche Autos: alle Teslas für den europäischen Markt — Model 3, Y, S, X sowie der Cybertruck (EU-Version).
In Bulgarien: Die Tesla-Supercharger-Stationen sind mit CCS2-Steckern ausgestattet. Seit 2024 sind sie auch für Nicht-Tesla-Fahrzeuge mit CCS2-Anschluss geöffnet (Zahlung über die Supercharger-App).
Wichtig: Für Nicht-Tesla-Fahrzeuge zugängliche Supercharger bieten eine etwas geringere maximale Leistung als für Teslas selbst, der Unterschied ist bei 150–200 kW jedoch gering.
Ladegeschwindigkeiten in der Realität
Die maximal angegebene Leistung wird in der Praxis selten erreicht. Hier realistischere Zahlen:
| Standard | Angegebenes Max. | Realistisch in Bulgarien | Laden 20–80 % (60 kWh) | |---|---|---|---| | CCS2 50 kW | 50 kW | 45–50 kW | ~50 Min. | | CCS2 150 kW | 150 kW | 120–140 kW | ~22 Min. | | CCS2 350 kW | 350 kW | abhängig vom Fahrzeug | ~15 Min. (nur Tesla/Porsche) | | Tesla Supercharger V3 | 250 kW | 200–230 kW (Tesla) | ~20 Min. (Model Y LR) |
Warum wird das Maximum nicht erreicht? Die Batterie nimmt nicht während des gesamten Ladevorgangs maximale Leistung auf — der Peak liegt nur zwischen 10–40 % Ladestand. Bei höherem Ladestand sinkt die Leistung (die sogenannte "Ladekurve").
Tapering — die Ladekurve erklärt
Jede Batterie hat eine "Ladekurve". Bei CCS2 mit 150 kW:
- 0–20 %: volle Leistung, 150 kW
- 20–50 %: 120–140 kW
- 50–70 %: 80–100 kW
- 70–80 %: 50–70 kW
- 80–100 %: 20–40 kW (sehr langsam)
Deshalb ist "bis 80 % laden" die praktische Faustregel beim DC-Laden — die letzten 20 % können fast so lange dauern wie die Strecke von 20 % auf 80 %.
Adapter — Lösung oder Problem
CCS2 zu CHAdeMO: Diese existieren, sind aber selten und begrenzen die Leistung meist auf 50 kW. Sie werden von den Herstellern nicht offiziell unterstützt.
Tesla-CCS2-Adapter: Tesla bietet einen offiziellen CCS2-Adapter für den europäischen Markt an. Er ermöglicht das Laden an Nicht-Supercharger-CCS2-Stationen und ist bei neuen Teslas mittlerweile serienmäßig enthalten.
Die Zukunft der Standards
NACS in Europa: Ford, GM, Rivian und mehrere europäische Marken haben in Nordamerika den Umstieg auf NACS angekündigt. In Europa haben die Regulierungsbehörden CCS2 bis mindestens 2025 als Standard festgeschrieben, sodass für den EU-Markt vorerst keine Änderung zu erwarten ist.
CHAdeMO: wird in Europa offiziell auslaufen gelassen. Japanische Hersteller unterstützen den Standard weiterhin in Asien. Beim Kauf eines E-Autos für die EU sollten Sie CHAdeMO meiden.
Mega-Fast 350 kW+: Die nächste Stufe ist das Laden mit 350 kW (unterstützt vom Hyundai IONIQ 5/6, Porsche Taycan und dem neuen Kia EV9). In Bulgarien gibt es solche Stationen noch nicht, aber OMV Electra plant HPC-Stationen mit 300 kW+ bis Ende 2026.
Praktische Tipps beim Kauf
1. Kaufen Sie nur CCS2 — meiden Sie Fahrzeuge, die ausschließlich CHAdeMO haben, beim Neukauf 2. Prüfen Sie die maximale DC-Leistung — 50 kW sind das Minimum, 100+ kW sind für komfortables Reisen nötig 3. Die Ladekurve ist wichtig — nicht nur die Spitzenleistung, sondern auch, wie sie zwischen 40–80 % abfällt 4. In Bulgarien mit ABRP planen — prüfen Sie die CCS2-Verfügbarkeit entlang Ihrer Route
Fazit
Für Käufer in Bulgarien ist die Wahl einfach: CCS2 ist der Standard, alles andere ist Auslaufmodell. Jedes neue E-Auto für den EU-Markt hat CCS2. Das Netz in Bulgarien wächst rund um CCS2. Tesla-Supercharger sind für CCS2 geöffnet. Mit einem CCS2-Fahrzeug steht Ihnen der gesamte öffentliche Ladermarkt offen.