Das Ladenetz in Bulgarien — die Lage 2026 im Klartext
Wie viele Ladestationen es in Bulgarien wirklich gibt, welche Betreiber zuverlässig sind und worauf man sich beim Fahren außerhalb von Sofia einstellen sollte.
"Was, wenn der Akku unterwegs leer wird?" ist die Frage, die viele Bulgaren vom Kauf eines Elektroautos abhält. Die Antwort ist komplexer als gedacht. Die Infrastruktur wächst schnell, aber ungleichmäßig. Hier ein ehrliches Bild der Lage im Jahr 2026.
Die Zahlen: Wie viele Stationen gibt es
Nach Daten von Anfang 2026 gibt es in Bulgarien über 1.200 öffentliche Ladepunkte (einzelne Anschlüsse), verteilt auf etwa 450 Standorte. Doch diese Zahlen verbergen wichtige Details:
- AC-Laden (langsam, 7–22 kW): rund 70 % der Ladepunkte
- DC-Schnellladen (50+ kW): rund 30 %
- DC-Ultraschnellladen (150+ kW): unter 10 % aller Ladepunkte
Zum Vergleich: In Deutschland ist das DC/AC-Verhältnis deutlich günstiger, und die Dichte ist etwa zehnmal höher.
Welche Betreiber zuverlässig sind
Eldrive — das größte nationale Netz
Eldrive (im Besitz von EVN) ist Marktführer und in den meisten Regionalstädten sowie entlang der Hauptautobahnen präsent. Geladen wird per Karte, App oder QR-Code. Die Zuverlässigkeit hat sich seit 2023 deutlich verbessert, auch wenn einzelne Stationen noch gelegentliche Probleme haben.
Leistung: überwiegend 50 kW DC und 22 kW AC, mit Ausbau in Richtung 150 kW.
OMV Electra
OMV Electra ist der am schnellsten wachsende Betreiber — 150-kW-HPC-Lader an OMV-Tankstellen entlang der Hauptautobahnen. Die Abdeckung auf der A1 (Sofia–Burgas) und A2 (Sofia–Varna) ist gut. Deutlich zuverlässiger als die Konkurrenz, da die Stationen an aktiven, personell besetzten Tankstellen liegen.
Tesla Supercharger
Für Tesla-Fahrer ist das Supercharger-Netz mit Abstand die beste Option. Stationen in: Sofia (3), Plovdiv (1), Varna (1), Burgas (1) sowie an der A1 bei Stara Zagora. Seit 2024 steht das Supercharger-Netz auch Nicht-Tesla-Fahrzeugen mit CCS-Adapter offen.
Pulse (EnergyPro)
Ein kleineres Netz, konzentriert auf Einkaufszentren in Sofia und Plovdiv. Praktisch zum Laden während des Einkaufs. Leistung überwiegend 22 kW AC.
Die Lage in den einzelnen Regionen
Sofia und die Region Sofia
Gute Abdeckung. Ladestationen in fast allen Einkaufszentren, Parkhäusern und Hotels. AC-Lader sind allgegenwärtig. DC über 100 kW ist im Zentrum und entlang des Ringes verfügbar.
A1 (Sofia — Burgas, 383 km)
Mit einem üblichen Elektroauto (400+ km Reichweite) problemlos zu befahren. Wichtigste Stopps: Trud/Plovdiv (OMV Electra 150 kW), Stara Zagora (Tesla SC + Eldrive), Karnobat (Eldrive 50 kW). Bei einer Reichweite unter 300 km sollte man sorgfältig planen.
A2 (Sofia — Varna, 443 km)
Bessere Abdeckung seit dem Ausbau 2025. Wichtigste Stopps: die Region Lovech/Troyan, Shumen (Eldrive). Tesla Supercharger in Varna.
Nordwestbulgarien (Vratsa, Montana, Vidin)
Die am schwächsten versorgte Region. Wenige DC-Lader außerhalb der Regionalzentren. Wer in diese Richtung fährt, sollte das Laden an OMV-/Eldrive-Tankstellen in den Regionalstädten einplanen.
Die Schwarzmeerküste (im Sommer)
Burgas und Varna sind gut versorgt, doch in der Hochsaison sind Warteschlangen an den Superchargern Realität. An der Südküste (Primorsko, Sozopol, Tsarevo) ist das DC-Ladeangebot begrenzt.
Die Apps, ohne die es nicht geht
- ABRP (A Better Route Planner) — unverzichtbar für die Planung langer Strecken, bindet echte Stationsdaten ein
- Eldrive-App — zum Finden und Bezahlen im eigenen Netz
- Plugshare — eine von Nutzern gepflegte Karte mit Kommentaren; eine realistische Einschätzung, welche Stationen tatsächlich funktionieren
Was als Nächstes kommt
Bis Ende 2026 wird Folgendes erwartet:
- Fertigstellung der TEN-T-Korridore — verpflichtendes DC-HPC alle 60 km entlang der wichtigsten europäischen Strecken durch Bulgarien
- EVN/Eldrive haben 100 neue HPC-Ladepunkte (150 kW+) angekündigt
- OMV Electra setzt den Ausbau entlang aller Autobahnen fort
Eine ehrliche Einschätzung
Wer in Sofia lebt oder entlang der Strecken Sofia–Plovdiv–Burgas/Varna unterwegs ist, für den reicht die Infrastruktur bereits für ein normales Leben mit Elektroauto. Wer in Nordwestbulgarien lebt oder regelmäßig in kleinere Städte fährt, stößt noch auf "weiße Flecken". Planen Sie Ihre Routen im Voraus mit ABRP und prüfen Sie den aktuellen Status der Stationen auf Plugshare.
Die Infrastruktur wächst mit zunehmendem Tempo. Die heutigen Probleme sind bereits halb so groß wie noch vor zwei Jahren.